Das darfst du, wenn du Schätzing bist…

Letzte Woche ist der neue Frank Schätzing rausgekommen, „Breaking News“, stramme 976 Seiten, fühlt sich an wie ein Brikett, wenn man’s in der Hand hält. Und ist gleich an die Spitze der Bestseller-Liste geschossen. Weil’s der neue Schätzing ist, weil Schätzing spätestens seit dem Schwarm eine Marke ist, und weil „richtig dickes Buch“ zu dieser Marke gehört. Ein unbekannter Autor, der das gleiche Manuskript bei Schätzings Verlag eingereicht hätte, wäre aller Wahrscheinlichkeit nach abgelehnt worden.

Nein, das wird jetzt kein Post über „bornierte Verlage“, „arrogante Lektoren“ oder „nur große Namen“ sondern ein kurzer Blick auf die Realitäten des Buchgeschäfts. Klassische Publikumsverlage gehen davon aus, dass sie, wenn sie einen neuen Autor „bringen“, frühestens mit seinem vierten oder fünften Buch Geld verdienen werden. Es ist eine simple Erfahrungstatsache, dass ein Autor so lange braucht, um sich „durchzusetzen“, wie es so schön heißt, also um sich einen Namen bei Lesern, Kritikern, Buchhändlern und Buchhandelsvertretern zu machen. Also gehen die Verlage davon aus, dass die ersten Bücher dieses Autors mal gerade die Kosten einspielen werden, vielleicht sogar ein wenig Verlust machen werden. Und deshalb versuchen sie, die Kosten für diese ersten Bücher möglichst niedrig zu halten.

Und was ist wohl entscheidend preiswerter: ein Buch mit tausend Seiten oder ein Buch mit zweihundert Seiten? Dolle Frage, natürlich der Zweihundert-Seiter. Das fängt schon vor der Veröffentlichung an, logisch, dass der Lektor mindestens fünfmal so lange für die dicke Schwarte braucht, auch der Autor wird länger für die – immer notwendige – Überarbeitung brauchen, der Druck ist deutlich teurer und die Versandkosten wollen wir auch nicht vergessen, sind ja alles wahrscheinliche Miese für den Verlag.

Und jetzt nehmen wir mal an, zwei Autoren von ähnlicher Begabung klopfen bei einem Verlag an, einer mit einem eher schmalen Roman, der andere mit einem Schätzing-Brikett, wer hat von vornherein die besseren Chancen?

Kurz und knapp: Wer als Newcomer den Stoff für so einen Riesenroman hat und wer in der Lage ist, den Leser über so viele Seiten zu fesseln (kann auch nicht jeder), der soll den ruhig schreiben. Es ist aber ganz bestimmt eine gute Idee, sich erst Mal mit ein paar dünneren Büchern ein entsprechendes Entree in die Verlagswelt zu verschaffen.