Helmut Dietl

 Kriss Sheridan [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons


Kriss Sheridan [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Helmut Dietl ist gestorben. Die meisten Nachrufe definieren ihn – natürlich vollkommen zurecht – zu allererst als genialen Regisseur, sicherlich der beste deutsche Komödienregisseur in der Tradition von Ernst Lubitsch und Billie Wilder.

Ich möchte daran erinnern, dass Dietl auch einer der besten Drehbuch-Autoren war, die hierzulande geschrieben haben. Er hat ja – mit verschiedenen Ko-Autoren, u. a. Patrick Süßkind – auch die Bücher zu seinen Serien un Filmen geschrieben. Das Studium dieser Bücher lohnt sehr, wenn man selber im Bereich Drehbuch tätig ist oder werden will.

Zwei wesentliche Dinge sind es, die meiner Ansicht nach die Riesenqualität der Dietl-Drehbücher ausmachen:

1. Dietl hielt sich rigoros an den ersten Grundsatz professionellen Schreibens: „Schreiben Sie nur über das, was sie kennen!“ Seine Bücher waren ausschließlich in Milieus angesiedelt, denen er selbst angehörte, seine Figuren basierten meistens auf Personen aus seinem näheren oder erweiterten Bekanntenkreis1. Dadurch bekamen seine Filme trotz der Distanz, die Dietl immer einnahm, eine Authentizität, die nur sehr, sehr wenigen anderen Autoren und/oder Regisseuren gelang.

2. Dietl wusste, wie wichtig der Rhythmus im komischen Dialog ist. Dieses Wissen war früher mal grundlegendes Handwerkszeug, gerät derzeit (Impro!) in Vergessenheit: Eine Pointe wird nicht nur durch einen inhaltlichen Überraschungsmoment gesetzt, sondern auch durch den Rhythmus der Worte, mit denen sie serviert wird. Man kann einen absoluten Spitzen-Gag versaubeuteln, in dem man ihn in einen Satz ohne entsprechenden Rhythmus packt. Das hat Dietl nie getan. Seine Dialoge waren exakt durchrhythmisierte Pointen-Sinfonien, da stimmte inhaltlich und rhythmisch alles, und das kam unter anderem daher, dass er beim Schreiben seine Dialoge so lange laut gesprochen hat, bis er den richtigen Rhythmus getroffen hatte.

Es wird von nun an keine neuen Dietl-Filme mehr geben, über die wir lachen können. Und keine Dietl-Drehbücher mehr, von denen wir lernen können. Das ist sehr, sehr schade.

  1. Und – logische Folge – je näher ihm die Vorbilder seiner Figuren standen, desto besser wurden die Bücher. Das „Rossini“ Dietls bester Film wurde, ist kein Zufall.

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