Von Anfang an war eigentlich klar, dass in Sachen Um- und Neuschreiben von Literatur mit der Änderung von „Neger-“ zu „Südseekönig“ in Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Das der Weg allerdings direkt von der Villa Kunterbunt zu Siegfried Lenzens „Deutschstunde“ führen würde, hatte selbst ich nicht geahnt.
Wie dem auch sei, Jochen Hieber führt in der FAZ aus, dass nach neuesten Erkenntnissen Emil Nolde, das Vorbild für den Maler Nansen in der Deutschstunde, eben kein so aufrechter, unbeugsamer Expressionist wie sein Roman-Alter Ego war, sondern trotz seiner „Verfemung durch die Kunstbürokratie“ im Dritten Reich, ein einigermaßen verbohrter Nazi, Hitler-Bewunderer und Anti-Semit. Und deshalb fordert Hieber jetzt, dass… ja, was fordert er eigentlich? Dass Lenz den Roman unterschreibt? Dass bei jeder Erwähnung Nansens die Fußnote „Emil Nolde war aber böse“ eingefügt wird? Vermutlich, dass wir alle irgendwie die Deutschstunde nicht mehr toll finden dürfen.
Ich aber finde toll, dass man bei der FAZ Feuilletonredakteur werden kann, ohne den Unterschied zwischen einer echten und einer fiktiven Figur kennen zu müssen.
