Die lieben Kollegen…

Bei lesen.net hat Erfolgsautorin Poppy J. Anderson eine sehr lesenswerte Kolumne über Kollegenneid in Selfpublisher-Kreisen  geschrieben. Offenbar versuchen einige gefrustete Self-Publisher, erfolgreicheren Kollegen mit gefälschten Rezensionen und anonymen Plagiatsvorwürfen zu schaden, weil sie hoffen, auf diesem Wege die eigenen Bücher zu pushen.

Das ist nun wirklich selten dämlich. Letztlich schaden sie damit nur sich selbst. Nicht nur durch den Imageverlust, wenn’s – wie hier – rauskommt, sondern aus einem ganz simplen, Profis seit Jahrhunderten bekannten Grund: Erfolgreiche Bücher nutzen der gesamten Branche, Flops schaden der ganzen Branche. Wer gerade ein Buch gelesen hat, dass ihm gefallen, ihn amüsiert und/oder ergriffen hat, der hat eine wesentlich größere Bereitschaft, sich bald ein neues Buch anzuschaffen. Wen die letzte Schwarte, die er gerade durchgeackert hat, gelangweilt oder aus anderen Gründen nicht angesprochen hat, der lässt das Geld für ein neues Buch nicht so bereitwillig aus dem Portemonnaie, kauft vielleicht lieber eine DVD oder eine Currywurst.

Das gilt für alle künstlerischen Branchen: „Das war prima heute im Kino/im Theater/im Museum. Lass uns in Zukunft öfters gehen.“

Und nein, das ist kein sentimentales Wunschdenken von mir. Jerry Lewis – übrigens ein Komiker, den es wiederzuentdecken gilt – pflegte Kollegen, die gerade in einem Kassenschlager im Kino zu sehen waren, in großflächigen Anzeigen in der Variety und in den Tageszeitungen zu ihrem Erfolg zu gratulieren. Und verband das nicht nur geschickt mit Eigenwerbung für seinen nächsten Film, sondern tat dadurch auch was für sein Image: „Kiek an, der Lewis. Was für ein netter Kerl. Freut sich für seine Kollegen, keine Spur von Allüren…“

Was man von den „Kollegen“ von denen Frau Anderson erzählt, nicht gerade sagen kann.