Heute bin ich kein Berliner

Das Blog „Metronaut“ ist abgemahnt worden, von einem Rechtsanwalt und vom Berliner Senat. Weil es eine Satire zur Berliner Olympiabewerbung veröffentlicht hat. Die als Satire gekennzeichnet war.

Ein paar Wochen nach dem Anschlag auf die „Charlie Hebdo“ Redaktion haben Berliner Lokal Provinzpolitiker alle vollmundigen Bekenntnisse zur Freiheit der Kunst und zur Freiheit der Meinung vergessen, und schlagen mit der groben Keule zu, weil sie ihr zartes Olympia-Pflänzchen durch einen Satire-Blog gefährdet sehen. Wie doof und kleinkariert ist das denn?

Und wie dämlich, denn durch diese Abmahnung nebst den üblichen Begleiterscheinung (Solidaritätswelle, Shitstorm, öffentliche Debatte), wird natürlich das genaue Gegenteil von dem erreicht, was die besorgten Satire-Verbieter erreichen wollten: Für die Postings der Metronauten werden sich jetzt viel mehr Menschen interessieren als vorher. Rohrkrepierer. Streisand-Effekt.  Hätte man sich dran erinnern können.

Also: Charlie Hebdo vergessen, Streisand-Effekt vergessen, dass Tucholsky mal hier gelebt hat, sowieso. Noch wen?

Ja, natürlich. Den berühmtesten Neu-Berliner aller Zeiten, der auf dem Rathausbalkon in Schöneberg mal

„Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.“

gesagt hat. Haben sie auch vergessen, obwohl die Rede auf dem offiziellen Berlinportal nachzulesen ist.

Heute ist man nicht stolz darauf, Berliner zu sein. Man schämt sich für die Repräsentanten der Stadt.