Den Verlagen geht es schlecht, den Buchverlagen sowieso, den Zeitungsverlagen erst recht und schuld ist selbstverständlich dieses ganze furchtbare neuartige Internetzeugs.
Das ist vollkommen richtig, das Internet ist auch schuld daran, dass es vielen Verlagen schlechter geht, aber nicht, weil eine herbeifantasierte „Kostenlos-Kultur“ ihr Geschäftsmodell zerstört hat, sondern weil das Internet dem lesenden Publikum schonungslos vor Augen führt, wie scheiß-egal Verlagen ihre Kunden sind.

Kostprobe gefällig? Vor ein paar Wochen hat ZEIT-Online ihre bei mir sehr beliebte Rubrik „Essen und Trinken“ eingestampft und in den neu geschaffenen Bereich „ZEITMAGAZIN“ integriert. Kann man machen, man muss sich ja weiterentwickeln. Im neuen Fressbereich des ZEITMAGAZINs taucht aber auch ein Link zum Rezeptor-Blog auf, einem seit Jahren auf ZEIT-Online erscheinenden Rezepte-Blog mit einfachen, alltagstauglichen und – jedenfalls für meinen Gaumen – ziemlich leckeren Gerichten. Klickt man auf den Link, kommt man in den alten „Essen und Trinken“-Bereich und zum letzten Eintrag des Rezeptor-Blogs vom, ja, 25. April dieses Jahres, einem Rezept für „Summer Rolls“ mit mittlerweile sieben (!) Seiten Kommentare, in denen treue Rezeptor-Blog-Leser Autoren und Redaktion fragen, was denn nun aus dem Blog geworden ist. Ob es eingestellt wurde. Ob man nicht, bitte, weitermachen könnte. Was halt ein treues Stamm-Publikum so fragt, wenn man ihm den Grund nimmt, wiederzukommen.
Antworten: Keine. Seit 4 Monaten lässt man die Kundschaft im eigenen Saft schmoren. Weder Redaktion noch Blog-Autoren (ich nehme mal an, denen hat der Arbeitgeber nahegelegt sich nicht zu äußern) würdigen höflichen und weniger höflichen, zum Teil sehr komisch-anarchischen Anfragen ihrer Kundschaft auch nur einen Satz. Man schweigt einfach, obwohl man wissen MUSS, dass da gefragt wird, die Kommentare bei ZO werden ja moderiert.
Was denken die sich da, bzw. was denken die sich nicht? Wieviel Zeit hätte es gekostet, einfach mal „Wir überlegen derzeit, wie es hier weitergehen soll und halten Sie auf dem Laufenden.“ in die Kommentarspalte zu tippen? Noch nicht mal die Paar Sekunden sind den Mitarbeitern von Zeit-Online ihre Kunden wert. Und ihre Außendarstellung im Internet ist ihnen offensichtlich so wurschtegal, dass sie diesen Pallawatsch an Kundenunfreundlichkeit einfach so stehen lassen.
Mittlerweile weiß man, dass der Niedergang der Zeitungsverlage lange vor der Einführung des Internet begonnen hat. Wenn man in die Ruinen des Rezeptor-Blogs schaut, ahnt man einen der Gründe für diesen Niedergang. Es ist die Arroganz dem Leser gegenüber. Erstaunlich, dass man bei ZEIT-Online glaubt, sich diese Haltung immer noch leisten zu können.
