…ein anderes Wort…

Einige Zeitungen hierzulande bekommen in den nächsten Tagen Besuch, wie ich ZEIT-Online entnehmen musste. Einige Vertreter muslimischer Verbände

wünschen sich mehr Respekt und Sensibilität von den Zeichnern, auch vonCharlie Hebdo. „Ich gehe mit anderen Religionen auch respektvoll um“, sagt Pürlü1. „Man muss keine Würdenträger in den Dreck ziehen.“ Deshalb würden Muslimvertreter in den nächsten Tagen auch Zeitungsredaktionen besuchen, um Respekt vor religiösen Gefühlen anzumahnen, kündigte er an.

Das ist natürlich ein vollkommen blödsinniges Unterfangen, der respektlose Umgang mit weltlichen und geistigen Autoritäten ist integraler Bestandteil unserer Kultur, es gilt die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und die Freiheit der Kunst. Insbesondere die Satire ist geradezu verpflichtet, respektlos zu sein. Oder deutlicher ausgedrückt: „Wenn es niemanden beleidigt, ist es nicht gut!“ Ich hab etwas ausführlicher bei „Männer unter sich“ darüber geschrieben.

Wie mögliche religiöse Verletzlichkeiten professionell gehandhabt werden, unterstreicht eine kleine Geschichte aus meinem Berufsleben. 19912 hatte ich ein paar Nummern für ein Programm der „Stachelschweine“ geschrieben. Einige Wochen vor der Premiere klingelte bei mir das Telefon [Wäre es einige Tage vor der Premiere gewesen, hätte es geschrillt. Bis zehn Tage vor der Premiere klingeln Telefone, ab dann schrillen sie).

„Guten Tag, Herr Kurbjuhn, Philipp hier, von den Stachelschweinen, ich führ Regie beim neuen Programm, wir haben da ein kleines Problem mit einer ihrer Nummern, und zwar bezeichnen Sie da den Papst als ‚Arschloch‘. Herr Kurbjuhn, bei aller Liebe, das geht nicht, da ecken wir beim Publikum an, können Sie mir ein anderes Wort für ‚Arschloch‘ geben?“
„Wäre ‚Vollidiot‘ okay?“
„Das gefällt mir. ‚Vollidiot‘ ist wunderbar. Köstlich. ‚Vollidiot‘, das nehmen wir. Ich bedanke mich, auf Wiederhören!“

So beleidigt man hierzulande.

 

  1. Erol Pürlü vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland
  2. Um Himmelswillen, ist das lange her…