Geht das überhaupt, auf dem Smartphone lesen?

Wer diese Frage stellt, hat es offensichtlich noch nie probiert: E-Books auf dem Smartphone zu lesen. Obwohl es einfach ist: Ob fürs iPhone oder für Android, zahllose Lese-Apps sind in den App-Stores größtenteils gratis, ansonsten für ganz kleines Geld. So eine Gratis-App ist schnell runtergeladen, und von den meisten E-Book-Plattformen kann man auch Gratis-Bücher herunterladen, also steht doch dem Ausprobieren des elektrischen Lesens auf dem eigenen Telefon 1 wenig bis nichts im Wege!

Daher kommt das Ergebnis einer von „buchreport“ vermeldeten Studie, dass 60 Prozent aller E-Book-Leser auf dem Smartphone lesen, auch nur für diejenigen überraschend, die ihr Telefon tatsächlich nur zum Telefonieren verwenden. Wer sich allerdings mit Smartphones und den Gegebenheiten des E-Book-Markts auskennt, den wundert das überhaupt nicht.

Noch immer sind E-Book-Reader für „normale“ Leser viel zu teuer, obwohl sie von der Ausstattung her sicherlich ihr Geld wert sind. Aber 49 € für den „kleinen“ Kindle, über 100 für Kindle Paperwhite, Tolino und Co…. das übersteigt die Summe, die viele Menschen im Jahr für Bücher ausgeben, ganz erheblich. Kein Wunder, dass diese Menschen die Ausgabe scheuen, solange sie ihre Lesebedürfnisse noch gedruckt befriedigen können. Durchaus ein Wunder ist es, dass E-Reader laut besagter Studie trotz dieses Preises von immerhin 25 Prozent genutzt werden (29 Prozent nutzen Tablets, PCs 34%, Laptops 57%, Mehrfachnennungen waren, logisch, möglich).

Dies ist nun kein Grund, für Verlage und /oder Self-Publisher in Aktionismus zu verfallen und alles für Kleinst-Displays zu optimieren: Dem heute erhältlichen Smartphone gehört sicherlich NICHT die Zukunft als Lesegerät. Das weiß jeder, der schon mal ausprobiert hat, darauf zu lesen. Ein halbwegs geübter Leser kommt, selbst wenn er eine augenfeindlich kleine Schrift einstellt, aus dem Gescrolle nicht mehr raus. Möchte ernsthaft jemand z. B. „Krieg und Frieden“ als endlos daher-scrollenden Star-Wars-Vorspann lesen? Wohl kaum. auf dem Smartphone liest man zum Ausprobieren oder unterwegs. Ich muss ja nicht den Reader oder das Tablet mitschleppen, wenn ich in der U-Bahn mal schnell ein Kapitelchen weglesen will, da tut es das Smartphone. Und zuhause lese ich dann auf dem Reader oder Tablet weiter, wenn ich ein synchronisierungsfähige App benutze, wird mir sogar komfortabel schon die Stelle gezeigt, wo ich zu lesen aufgehört habe, wenn ich einschalte.

Auch wenn das Smartphone jetzt noch eine Behelfslösung fürs elektrische Lesen darstellt, ich vermute, dass es eine große Bedeutung behalten wird. Allerdings werden mir nicht mehr auf den kleineren Bildschirmen lesen, da wird es faltbare Lösungen geben, die wir in der Jackentasche mit uns herumtragen. Diese faltbaren Bildschirme werden drahtlos mit dem Smartphone Kontakt aufnehmen, auf dessen Speicherchips die eigenen E-Books liegen und dass die Möglichkeit bietet, jederzeit frisches Lesefutter zu kaufen (Internetverbindung vorausgesetzt). Oder vielleicht wird schon bald eine Datenbrille uns den Lesestoff zeigen? Ich kenne die Zukunft nicht, ich weiß nur, dass sie spannend werden wird.

Und das sie näher ist, als wir denken. Bald werden nicht mehr 67 Prozent, sondern über 90 Prozent auf dem Smartphone lesen. Aber anders, als wir es uns jetzt noch vorstellen können.

  1. Wer mir allerdings noch vor 15 Jahren gesagt hätte: „Du, demnächst werden die Menschen auf dem Telefon lesen“, den hätt ich natürlich für verrückt erklärt.