Die Revolution dauert etwas länger

Gestern hat die Meldung die Runde gemacht, dass der E-Book-Markt hierzulande stagniert bzw. nur sehr, sehr langsam wächst. Letztlich ist das nicht weiter verwunderlich. Die wichtigsten Gründe:

  • Die E-Book-Preise
    Nach wie vor sind die E-Books aus klassischen Verlagshäusern hoffnungslos überteuert. Als Beispiel mag „Montecristo“ dienen, das neue Buch von Martin Suter, das aus dem Stand die Bestsellerlisten dominiert. Die gebundene Ausgabe kostet 23,90, das E-Book aktuell 21,99. Ja, um Himmelswillen, wer erwirbt denn zu diesem Preis eine Leselizenz (mehr ist ein E-Book ja letztlich nicht), wenn er für knapp zwei Euro mehr ein Buch bekommt, dass er nach dem Lesen an Freunde oder Verwandte weiterreichen oder gebraucht für ca 17 Euro weiterverkaufen kann?
    Der große Umsatz wird nunmal mit den Bestsellern gemacht, solange sich da an den Preisen nichts ändert, wird Print dominieren.
  • Die Preise der E-Book-Reader
    Auch wenn es einfache Reader schon für ca. 60 Euro zu haben sind, für einen Massenerfolg ist das immer noch viel zu viel. Der Gelegenheits-Leser, der sich alle paar Wochen mal ein Taschenbuch holt, sagt sich vollkommen zu recht: „Für das Geld kann ich mir doch locker sieben Bücher kaufen!“ Und da die Bücher, die die meisten Leute lesen werden, als E-Books eben nicht deutlich preiswerter sind, bleibt der E-Bookreader erst mal ein Nischenprodukt bzw. ein Luxusgegenstand.
  • Das Geschenk-Problem
    Bücher sind DAS klassische Geschenk. Bloß: Wie verschenke ich ein E-Book? Da bleibt nur der Weg über den Gutschein, und der hat kein sooo gutes Image. Gutschein riecht nach „Last Minute“, „Keine Zeit“, „Beinahe vergessen“ und wirkt fantasielos. Das ist m. E. nicht der Fall, aber Gutscheine werden nun mal nicht so gerne verschenkt wie Bücher.
  • Buchhandel und Verlage
    Buchhändler und Verlage betrachten E-Books immer noch eher als Bedrohung statt als Chance, ein Geschäft zu machen. Solange diese Mentalität sich vor Ort nicht grundlegend ändert, werden Verlage und Buchhändler weiterhin Print bevorzugen und pushen. Und da der Buchhandel – allem Wehklagen über den Online-Handel zum Trotz – nach wie vor die bevorzugte Anlaufstelle der Deutschen beim Bücherkauf ist, wird sich in naher Zukunft nicht viel an der jetzigen Situation ändern.

In spätestens 5 Jahren wird die Situation vollkommen anders sein, da bin ich mir sehr sicher. Und solange Verlage und Buchhandel nicht umdenken haben vor allen Dingen Self-Publisher ausgezeichnete Chancen, sich auf dem E-Book-Markt zu etablieren und – relativ unbedrängt von der Marketing-Macht der Branchen-Dinosaurier – gutes Geld zu verdienen.

Ein Gedanke zu “Die Revolution dauert etwas länger

  1. Es ist sogar noch verrückter. Ich stelle mir gerade eine kleine Slater-Biliothek zusammen. Die E-Books aus den 90ern kosten so zwischen 20 und 30 Tacken. Gebraucht bekomme ich sie für 3,72 inklusive Porto aus House Old England.

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